Die Pflicht der Soziologie praktisch zu werden

Lange Zeit war die Soziologie eine Wissenschaft für Wissenschaftler. Bis heute hat diese Gesellschaftswissenschaft ihren Platz in der Gesellschaft nicht gefunden; häufig sind andere Wissenschaften der Gesellschaft näher als die Soziologie.
Viele Professionen haben es, durch gezieltes Marketing und PR-Arbeit, geschafft aus dem berühmten Elfenbeinturm heraus zu treten. So ist die Psychologie heute eine massenkompatible Profession die auch nicht-Akademiker anspricht und ihre Themen und Inhalte gut "verkauft".

Hieran arbeitet die Soziologie noch. Der Weg ist noch unklar und lang. Will aber die Soziologie langfristig ihre Legitimation nicht verlieren muss sie lernen Inhalte so zu transportieren dass diese einen Mehrwert produzieren. Die Universitäten müssen lernen wissen zu produzieren das in der Praxis anwendbar ist. Wissen das auch dazu genutzt werden kann Unternehmen einen Vorteil zu erarbeiten.
Viele Soziologen wehren sich gegen diese Entwicklung, denn die Soziologie droht bestechlich zu werden wenn sie für die Wirtschaft arbeitet. Aber, nach der Überwindung des Sozialismus in Deutschland und den meisten Ländern der Welt, gehören Unternehmen die profitorientiert arbeiten zur Gesellschaft; daran wird sich nicht ändern. Diese Wirtschaft ist ein Teil der Demokratie; ein sie erhaltender Teil.
Die Soziologie sollte als die Scholle der Gesellschaftsveränderung verlassen und dazu übergehen den status quo durch Forschung und Praxis unterstützen.

Viele SoziologInnen haben diese Entwicklung in den letzten Jahren verstanden und aufgegriffen; sie arbeiten als Unternehmensberater, Unternehmensentwickler oder Personaler. Auch Unternehmen erkennen vermehrt den Wert der soziologischen Sichtweise, die über den betriebswirtschaftlichen Blick hinausgeht. Dabei sind Volkswirtschaftslehre (die übrigens aus der Soziologie entstand), Betriebswirtschaftslehre, Psychologie und Soziologie keine Konkurrenten sind, sondern sollten lernen, dass jede Profession für sich Dinge inne hat und Leisten kann die die andere nicht in der Lage ist.